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Alles Theater

So haben Schüler ihre Lehrer noch nicht gesehen: Das Lehrertheater „Grenzwertig“ spielte im März dieses Jahres „RESET – Noch mal von vorn“ im Schnürschuh-Theater. Im gleichen Zeitrum fand am selben Ort auch eine Aufführung von Schülern statt. „Arm ist, wer keine Zeit hat“ hieß ihr selbst entwickeltes Theaterstück. Zwei Schülerinnen der Einführungsphase des Beruflichen Gymnasiums Wirtschaft haben die Aufführungen gesehen und geben hier ihre Eindrücke wieder.

„RESET“

Das Theaterstück „RESET“ der Gruppe „Grenzwertig“, inszeniert von Katrin Krüger und aufgeführt im Schnürschuhtheater, wird von Lehrerinnen und Lehrern des Sekundarbereichs II an der Grenzstraße gespielt. Bilder, die an einer Leinwand abgespielt werden, geben einen Hinweis auf den Inhalt des Stücks. Die Schauspieler beginnen im Theaterstück in der Wiege als Kleinkinder. Die Kinder machen sich Gedanken über die Zeit – wie ihr Leben ablaufen könnte und wie schnell die Zeit vergeht. Dabei sitzen drei der Schauspieler in Kinderbetten. Ihr Gespräch entsteht durch die Schlaflosigkeit eines Kindes, welches durch das Schnarchen der beiden anderen verursacht sein könnte.

Zunächst ändert sich die Szene. Ein Conférencier kommt auf die Bühne und moderiert seine Show „Reset“ an. Das Thema der Show ist es, eine Änderung in der eigenen Biographie vorzunehmen. Dazu lädt der Conférencier zwei Gäste ein. Einen Mann und eine Frau, welche sich mitten im Leben befinden, die vermasselte Beziehungen oder eine verpatzte Karriere hinter sich haben. Mithilfe der Show sollen die Kandidaten herausfinden, ob sie einen Schritt nach vorne oder zurück machen sollen. Ebenso eingeladen sind prominente, erfahrene Schauspieler, die sich als eine Gruppe zweitklassiger Schauspieler entpuppen.

Das Bühnenlayout besteht aus einer Bar, an der die „erfahrenen Schauspieler“ stehen, den Kandidatenplätzen und Sitzhockern, welche die Meilensteine im Leben der Kandidaten darstellen sollen. Die nicht prominenten Gäste werden dazu aufgefordert, von ihren Meilensteinen zu erzählen. Sie sollen mithilfe der Hocker ihr Leben zusammenstellen. Dabei stellt sich heraus, dass die Kandidaten grundsätzlich unterschiedlich „aufgebaut“ sind. Die Frau erzählt von ihren Kindesträumen, ihren Freunden sowie Lebenszielen. Der Mann von seiner Jugendliebe, seiner Liebe zur Musik, seinem Job und seiner Familie. Der Conférencier unterbricht die Kandidaten, um ihre Erlebnisse in der Show nachzuspielen. Für die Schauspielergruppe ergibt sich das Problem, dass nicht alle zugleich eine Rolle spielen dürfen, was zu Ungeduld und Mauligkeit führt.

Als die nicht berühmten Gäste dann doch ins Nachdenken kommen, zeigen die Darsteller mehrere Auftrittsformen. Darunter Standbilder, Wiederholungen und die Belebung von Gedanken in Form von Subtexten. Durch das Spielen der Rollen in den kleinen Ausschnitten der Biographien der Kandidaten wird die ganze Bühne genutzt.

Einen einstimmig positiven Beifall aus dem Publikum gab es nach der großartigen Darbietung. Es ist zu vermuten, dass die große Begeisterung auch daher rührt, dass Schüler ihre Lehrerinnen und Lehrer auf eine andere Art und Weise kennengelernt haben. Für mich persönlich ist die Inszenierung des Theaterstücks „Reset“ der Lehrer ein totaler Erfolg. Dieses Stück hat einen enormen Spannungsbogen und hält für ein aufmerksames Publikum harmonische Pointen und den Spiegel des Lebens bereit. Als Schülerin bzw. Schüler erlebt man seine Lehrer anders kennen. Mich haben die Lehrerinnen und Lehrer überzeugt und begeistert. Meiner Meinung nach ist der Spaß jeder Inszenierung am Ende viel größer und schwerwiegender als die viele harte Arbeit die dahinter steckt.

Nach einer solch großartigen Darbietung stellt sich ein Jeder die Frage, wo und in welcher Figur er oder sie sich wiedererkennt. Ich denke, dass sich jeder Zuschauer des Publikums mindestens fragt, ob er oder sie nicht wenigstens mal darüber nachdenken sollte, etwas an der eigenen Biographie zu ändern. Das Theaterstück „RESET“ wurde am 18., 20. und 21. März 2015 gespielt.

Melanie Helvogt G1

 „Arm ist, wer keine Zeit hat“

Das Theaterstück „Arm ist, wer keine Zeit hat“ wurde an einem schönen Montagabend im Schnürschuhtheater in Bremen aufgeführt. Das Theaterstück wurde von Schülern aus dem Schulzentrum an der Grenzstraße entwickelt und mit der Unterstützung von Frau Krüger, einer Lehrerin für Darstellendes Spiel, zu einem besonders spannenden und lustigen Theaterstück entwickelt.

In „Arm ist, wer keine Zeit hat“ geht es um Menschen mit unterschiedlichen Charakteren, die für sich und für wirklich wichtige Personen im Leben, wie Freunde, keine Zeit haben. Es wurden verschiedene Situationen im Alltag dargestellt, wie beispielsweise eine Mutter mit ihrem Kind, die viel lieber andere Dinge unternehmen würde, als sich mit ihrem eigenen Kind zu beschäftigen. Sie übergibt ihr Kind andauernd anderen Menschen, die genauso viel, wenn nicht sogar mehr zu tun haben als sie. Somit hat sie vielen Menschen deren wertvolle Zeit genommen und Freundschaften zerstört.

Natürlich hatte dieses Schülertheater mehrere Szenen, denn würde es sich nur um die verantwortungslose Mutter mit ihrem Kind drehen, dann wäre das wohl alles etwas langezogen und nicht mehr so amüsant. Selbstverständlich muss ich hier auch bedenken, dass dieses Theaterstück sich Schüler ausgedacht haben und deshalb muss man sagen, dass ihnen dies sehr gut gelungen ist. Es sind alles keine Schauspieler, sondern Abiturienten mit wenig Zeit und schulischem Druck in ihrem Leben. Gerade diese Situationen im Leben kennt jeder von uns, somit hätte es sich für jeden von uns gelohnt, dort mal einen Blick rein zu werfen und mit einem Schmunzeln gerade vielleicht sogar über sich selbst wieder rauszugehen. Vielleicht lernt sogar der ein oder andere von uns, sich seine Zeit besser einzuteilen und auch wichtigen beziehungsweise besonderen Dingen im Leben mehr Zeit zu schenken.

Alle Szenen hatten immer einen Bruch und fingen mit neuen Szenen und neuen Problemen im Leben an. Dies verlief immer abwechselnd. Mal kam die Szene mit der Mutter, dauerte drei Minuten an und es gab einen kurzen Umbau. Der Raum wurde verdunkelt, somit wurden wir Zuschauer neugierig, was nun käme. Dann fing auch schon eine neue Szene an, wie zum Beispiel das Mädchen, das durch die Stadt ging und von fremden Menschen angesprochen wurde und dauernd sagte: „Ich habe keine Zeit“.

Zwischen den Szenen gab es immer einen Raumgang, in einer neutralen Haltung. Alle Schauspieler gingen durch den Raum und stellten sich irgendwann nebeneinander auf und hielten Schilder mit Worten hoch, die einen Satz ergaben. Dies wiederholte sich zwischen jeder neuen Sequenz. Außerdem froren die Schauspieler nach jeder Szene ein, dies nennt sich Freeze und verdeutlicht, dass eine Szene vorbei ist. Auch kam es vor, dass mitten in einer Szene, Schauspieler einfroren, weil zum Beispiel einer der Schauspieler zum Publikum sprach und dies wechselte sich zwischen den Schauspielern ab. Wie gerade erwähnt, wurde das Publikum mit einbezogen. Ein gutes Merkmal dafür war am Anfang des Theaterstücks, da sind die Schauspieler mit einem kleinen Säckchen rumgegangen und haben das Publikum gefragt, ob sie vielleicht etwas Zeit hätten.

Dies fand das Publikum sehr gut. Ich konnte allgemein feststellen, dass das Publikum sehr begeistert von der Aufführung war und sich wahrscheinlich sehr gut in die Lage versetzten konnte, wie es mit der Zeit ist. Dem muss ich zustimmen, denn meiner Meinung nach, war das Thema „Arm ist, wer keine Zeit hat“ sehr gut gewählt. Denn jeder kennt das Problem der wenigen Zeit und jeder weiß, wie schwer es ist, Zeit zu haben. Alles war rund und stimmig, gerade die Szenen, die dafür entwickelt wurden und wie es präsentiert worden ist. Ich würde es mir jeder Zeit gerne wieder angucken.

Nur eine Frage hat sich für mich gestellt und zwar die Szene am Ende, im Gericht. Es wurde ein Mann verurteilt, da er nicht mal mehr für seinen Beruf Zeit hatte und für andere Dinge sowieso nicht. Dies wurde mir nicht ganz schlüssig, vielleicht sollte es ihm einfach eine Lehre sein, mehr Zeit in andere Dinge zu investieren. Aber irgendwo soll uns Theater ja zum Nachdenken bewegen.

Melanie Köhler, G1

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